Aya

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Definition

Aya hat linguistisch verschiedene Bedeutungen: das Wunder, die Gruppe, das klare Zeichen, das Merkmal, die Lehre/Lektion/ (ermahnendes Beispiel). Alle diese Bedeutungen kommen im Quran vor.

Islamologisch hat Aya folgende fachspezifische Definition: "Ein Teil einer Sura (Kapitel) mit festgelegtem Beginn und festgelegtem Ende, der eines oder mehrere Wörter beinhaltet."

Ayat ist der Plural von Aya.

Kann man Aya mit Vers übersetzen?

Auszug aus "Ulum al-Qur'an. Einführung in die Koranwissenschaften", Ahmad von Denffer, DIdI e. V., 2006, S. 80:

"Aja (pl. ajat) hat die Grundbedeutung "Zeichen". Als Terminus technicus ist sie die kürzeste Unterteilung des Korantextes, d.h. ein Satz oder ein (eigenständiger) Satzteil. Die Offenbarung ist Rechtleitung von Gott an die Menschheit und es ist deshalb keineswegs erstaunlich, dass ihre kleinsten Unterteilungen (rechtleitende) Zeichen genannt werden. Der Ausdruck „Vers“ ist nicht besonders angebracht, da der Koran keine Poesie (Lyrik) ist. Trotzdem wird dieser Ausdruck (Vers) der Einfachheit halber auch in dieser Übersetzung gebraucht, da dieser Ausdruck – obwohl nicht ganz korrekt – sich im deutschsprachigen Raum als Übersetzungausdruck für aja eingebürgert hat."

Der oben erwähnte Einwand legt nahe, dass das Wort Vers nur auf die Poesie anzuwenden ist. Doch ist der Begriff "Vers" nicht nur in der Lyrik gebräuchlich, sondern auch in der Bibel, was dem oben erwähnten Argument entgegenzuhalten ist. Zudem hat sich der Begriff "Vers" für "Aya" im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt, demzufolge wäre der semantische Wert (Bedeutungshorizont) des Begriffes "Vers" spätestens durch die Referenz zum Quran im Deutschen erweitert, wenn nicht schon zuvor der Begriff in der Bibel angewendet worden wäre.

Verszählungen

Erklärung

Die Zählung und Unterteilung der einzelnen Verse beruht teilweise auf Idschtihad, daher gibt es unterschiedliche Verszählungen. Bereits die Sahaba waren unterschiedlicher Meinung über die Unterteilung einiger Verse, da der Prophet bei der Rezitation nicht immer an den selben Stellen im Quran innehielt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die unterschiedlichen Zählungen auf unterschiedliche Inhalte hinweisen, sondern dass ein und derselbe Text verschieden unterteilt wurde. Dies ist in etwa mit der unterschiedlichen Verteilung von Punkten in einem Text zu vergleichen.

Hieraus geht klar hervor, dass die Verszählung - außer in einigen Fällen - nicht durch Offenbarung festgelegt ist.

Aus den nachfolgenden Verszählungen geht klar hervor, dass die oft behauptete Aussage, der Quran hätte 6666 Verse, nicht stimmt.

Kufische Zählung

Die kufische Zählung ist die Grundlage der drei kufischen Lesarten 'Asim, Hamza Az-Zayyat und Al-Kisai, sowie Chalaf. Diese Zählung ist bekannt, da die Überlieferung Hafs der Lesarten 'Asim sehr verbreitet ist. Eigentlich geht sie nur auf Hamza Az-Zayyat zurück. Die Anzahl der Ayat: 6236

Erste medinensische Zählung

Diese ist auch sehr verbreitet, da sie die Grundlage der Lesart Nafi' (Qalun und Warsch) ist, diese Lesart ist heute noch in ganz Nordafrika weit verbreitet.

Anzahl der Ayat: 6217

zweite medinensische Zählung

Diese geht auf Abu Dscha'far Al-Madani zurück.

Anzahl der Ayat: 6214 (Abu Dscha'far) 6210 (Schaiba)

Mekkanische Zählung

Die mekkanische Zählung geht auf den Imam Abdullah Ibn Kathir (den Quranrezitator, nicht den Tafsir-Gelehren) zurück. Er überliefert diese Zählung von Mudschahid von Ibn Abbas von Ubayy Ibn Ka'b.

Anzahl der Ayat: 6220

Basrische Zählung

Diese geht eigentlich auf 'Asim zurück, wird aber in den heutigen Quranausgaben der Lesart nicht mehr verwendet.

Anzahl der Ayat: 6204 oder 6219

Syrische Zählung

Diese wird in der Lesart Ibn 'Amirs verwendet.

Anzahl der Ayat: 6226

Quellen:

  • Az-Zarqani, Muhammad (2001): Manahil Al'Irfan fi Ulum Al-Quran (arab.), Dar Al-Hadith, Kairo.
  • Az-Zarkaschi, Muhammad (794 n.H.): Al-Burhan fi Ulum Al-Quran (arab.), Dar Al-Ma'rifa, Beirut 1994.
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