Arabische Sprache

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Arabische Sprachregion[1]

Die arabische Sprache ist eine der wichtigsten Weltsprachen, sie wird heute von ca. 240-300 Millionen Menschen gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Als Muttersprache wird Arabisch in folgenden Ländern gesprochen:

  • Arabische Halbinsel
    • Saudi Arabien
    • Jemen
    • Oman
    • Arabische Emirate
    • Kuwait
  • Irak
  • Schaam-Gebiet:
    • Syrien
    • Jordanien
    • Libanon
    • Palästina
  • Afrika
    • Ägypten
    • Sudan
    • Lybien
    • Tunesien
    • Algerien
    • Marokko
    • Mauretanien
    • West-Sahara

Minderheiten mit arabischer Muttersprache gibt es in:

  • Asien
    • Iran
    • Türkei
  • Europa
    • Malta (Sonderstatus)
    • Zypern
    • Gibraltar
  • Afrika
    • Tschad
    • Dschibuti
    • Eritrea
    • Komoren
    • Somalia

Sowie arabische Emigranten überall auf der Welt. Außerdem wird Arabisch als Sprache der muslimischen Gelehrten von vielen Muslimen überall auf der Welt gelernt.


Geschichte der arabischen Sprache und der arabischen Schrift

Zu den Voraussetzungen für die Entwicklung einer Schrift gehören in der Regel Sesshaftigkeit, wirtschaftliche Beziehungen und Vereinbarungen und das Bedürfnis, die geschichtlichen Ereignisse festzuhalten. Das erste Alphabet, die erste Schrift also, die wir Menschen entwickelt haben, wurde in Syrien gefunden. Dieses Alphabet wurde später von den Griechen zum griechischen und von den Römern zum lateinischen Alphabet weiterentwickelt. Der Stein, in den das ursprüngliche Alphabet eingeritzt wurde, ist im syrischen Nationalmuseum in Damaskus ausgestellt[2].

Das ugaritische Alphabet[2]

Auch das arabische Alphabet hat seinen Ursprung im ugaritischen Alphabet. Gemeinsam haben die genannten Alphabete, dass ein Zeichen einen einzelnen Laut symbolisiert und nicht eine Silbe, wie bei älteren Alphabeten[2].

Die arabische Sprache gehört zur semitischen Sprachfamilie, wie etwa das Hebräische und Aramäische. Eng verwandt mit dem Arabischen sind die Sprachen der antiken urarabischen Völker: Akkadier, Assyrer, Phönizier, Humairer u.a. Das Arabische gehört mit dem Altjemenitischen und dem Äthiopischen zum südsemitischen Sprachzweig. Es bestand eine enge Verbindung zwischen dem Jemenitischen und den äthiopischen Sprachen. Alt-Arabisch selbst wird in zwei Zweige unterteilt:

  • Südarabisch (Qahtaniyya)
    • Ma’in (1300-115 v.Chr.)
    • Saba
    • Humair (9.Jh.v. Chr. – 6. Jh. n. Chr.)
    • Qatban
    • Hadramaut

Kurz vor der herabsendung des Quran im Jahre 610 n. Chr. näherten sich die Südarabischen Dialekte sehr dem Nordarabischen. Die Sprache der Humair wird heute noch als einziges Überbleibsel im Süden Saudi-Arabiens und im Nordjemen vom Stamm der Mahara gesprochen. Das Arabische hat als einzige semitische Sprache den Laut (ض) dhad.

  • Nordarabisch (Adnaniyya)
    • Alte Beduinendialekte (5.Jh.v.Chr. – 4.Jh.n.Chr.) Diese ist noch in alten Inschriften erhalten.
    • frühe Dialekte des heutigen Arabisch (? – heute)

Der Ursprung der heute als Arabisch bekannten Sprache ist unklar, ihre Heimat ist Nadschd und Hidschaz. Erst ab dem 3. Jh.v.Chr. sind Inschriften bekannt, doch ist die Sprache bedeutend älter. Es gab nur sehr wenige schriftliche Aufzeichnungen, da diese Sprache mündlich weitergegeben wurde und die Araber der Schrift kritisch gegenüber standen. Das klassische Arabisch bestand aus zahlreichen Dialekten, erst durch die Stellung des Stammes Quraisch setzte sich dieser Dialekt als Dichtersprache durch. Die Gründe hierfür waren:

  • alle Araber pilgerten zur Ka'ba
  • Mekka liegt im Zentrum des arabischen Sprachraums und hat daher wenige Kontakte zu Nichtarabern, im Gegensatz zu den Dialekten an der Nord- und Ostgrenze.
  • Durch die vielen Pilger nahmen die Quraschiten viele Elemente aller Dialekte auf und hatten den größten Wortschatz.
  • Durch den Islam und den Quran festigte sich die Stellung dieses Dialekts


Geschichte der arabischen Schrift [3]

Schon vor der Entwicklung der arabischen Schrift war die arabische Sprache sehr hoch entwickelt. Die arabische Sprache kennt eine unglaubliche Wortfülle. Zum Beispiel für Frieden, für Wüste, aber auch für die verschiedenen Qualitäten von Vieh gibt es sehr viele unterschiedliche Worte die in ihrer Bedeutung jeweils eine Nuance anders sind.

Vor der Entwicklung der arabischen Schrift wurden Informationen mündlich weitergegeben. Die mündliche Weitergabe von Informationen hat gegenüber der schriftlichen Weitergabe nicht nur Nachteile. Die folgenden vier Argumente gegen die schriftliche Weitergabe von Informationen gehen auf Plato zurück, den griechischen Philosophen:

  • Die Schrift schwächt das Gedächtnis.
  • Die Schrift bietet im Gegensatz zum lebendigen Erzähler nur einen stummen Text.
  • Die Schrift kann nicht auf einen ausgewählten Kreis von Zuhörern eingegrenzt werden.
  • In Abwesenheit des Autors kann dieser nicht mit seiner ganzen Person für das Vorgetragene einstehen.

Der Vorteil der Schrift liegt auf der Hand: Der Prophet (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm) hat gesagt:

„Bewahrt das Wissen durch die Schrift (d.h. bewahrt es davor, dass es verloren geht)“.
(Dies berichtete Darimi Hadith Nr. 497 in seinen Sunan)


Unterteilung des Hocharabischen

Das Hocharabische veränderte sich durch den Quran und den erstarkenden Einfluss des quraschitischen Dialekts, sowie im 2.Jh. nach der Hidschra auch durch die zahlreichen Nichtaraber, die den Islam annahmen.


Klassisches Arabisch

Es handelt sich um die klassischen Dialekte, die die Araber als rein bezeichneten, wie etwa:

  • Quraisch
  • Aus und Chazradsch
  • Daus
  • Taim
  • Thaqif
  • Tay

All diese Dialekte wurden als Hocharabisch bezeichnet, sie zeichneten sich dadurch aus, nicht von Fremdsprachen beeinflusst zu sein. Sie unterschieden sich jedoch geringfügig in Aussprache und Wortschatz. Diese Dialekte sind noch in den Büchern der Sprachforscher und teilweise in den Lesarten des Qurans überliefert.

Arabisch des Mittelalters

Ab dem 2. Jh. n. H. begann der Verfall des Hocharabischen in den Städten, als einer der letzten Dichter, deren Worte noch als Beweis für die Echtheit eines Ausdrucks gelten, gehörte der Imam Asch-Schafi’i. Die Beduinen bewahrten die hocharabischen Dialekte noch, doch in den Städten begann sich die Sprache allmählich zu ändern. Auch die Poesie wurde durch das Persische und Griechische beeinflusst. Vor allem aber die Wissenschaftssprache, da viel aus dem Griechischen, Sanskrit, Aramäischen und Persischen übersetzt wurde. Dies beeinflusste mehr die Ausdrucksweise als den Wortschatz, denn die Araber suchten stets nach arabischen Worten für die fremden Begriffe.

Arabisch der Renaissance

Hier lässt sich der Einfluss des Türkischen erkennen, die Sprache wirkte immer mehr gestelzt und blumig, die Wissenschaftssprache wurde sehr abstrakt, so dass sie normalen Arabern schwer verständlich war. Dies lag hauptsächlich am Einfluss der griechischen Logik und dem Sufismus mit seiner Mystik.

Modernes Hocharabisch

Das heute in Zeitungen verwendete Arabisch entstand durch den Kolonialismus und den ideologischen Kampf des Westens gegen den Islam und seine Sprache: das Arabische der Medien wird so stark von europäischen Sprachen beeinflusst, dass sogar die Satzstruktur immer mehr dem Englischen bzw Französischen ähnelt. Auch im Wortschatz werden seltsame Formen nach europäischem Vorbild abgeleitet, obwohl es im klassischen Arabischen äquivalente Begriffe gibt. Doch die Journalisten und Übersetzer verfügen meist nur über geringe Kenntnisse der eigenen Sprache.

Dialekte

Aus den klassischen Dialekten entwickelten sich die heutigen Dialekte. Vor allem die Dialekte Europas, Asiens und Nordafrikas wurden aber durch Fremdsprachen beeinflusst.

Die Araber Nordafrikas sind bis auf die Beduinen Ägyptens, des Sudans, Lybiens, Tunesiens und Teilen Algeriens auch gar nicht arabischen Ursprungs, weshalb gerade diese Dialekte sehr vom Hocharabischen abweichen. Nordafrika gehörte vor dem Islam nicht zum arabischen Sprachgebiet. Seltsam ist jedoch, dass die asiatischen Völker – im Gegensatz zu den Nordafrikanischen - die arabische Sprache nicht übernahmen.

Wichtigkeit des Arabischen

Wer des Arabischen mächtig ist, kann den Quran und die Sunna verstehen und hat Zugang zu allen islamischen Werken.

Muslimische Länder, in denen nicht Arabisch gesprochen wird, neigen eher zu Entstellungen und Verfälschungen in der Religion als arabische Länder, da erstere den Quran und die Sunna nicht verstehen, also auf Imame angewiesen sind, denen sie blind vertrauen. Sie selbst können nicht überprüfen, ob etwas tatsächlich so im Quran steht oder nicht. Denn die Quranübersetzungen sind oft von den Ideologien einzelnen Sekten und Gruppierungen beeinflusst.

Auch heute noch verständigen sich alle Araber auf Hocharabisch: Briefe, Artikel, Medien, Unterrichte, Vorträge und Bücher werden in dieser Sprache gehalten. So ist Arabisch – im Gegensatz zu den Behauptungen der Orientalisten – eine lebendige Sprache. Ähnlich wie die Lage des Hochdeutschen: fast alle Deutschen sind Dialektsprecher, oder vom Dialekt ihrer Region beeinflusst. Nur durch Medien und Literatur haben sie Kontakt zur Hochsprache. Im Alltag wird Hochdeutsch – wie das Hocharabische – nur zu offiziellen Zwecken und zur Unterhaltung zwischen Sprechern anderer Dialekte oder Ausländern benutzt. Doch ist Hocharabisch – und ebenso das Hochdeutsche – deswegen keine tote Sprache.


Dichterkunst [3]

Mindestens seit dem 5. Jahrhundert n.Chr. ist arabische Poesie in schriftlicher Form bezeugt. Da diese Poesie hoch entwickelt ist, geht man davon aus, dass die arabische Dichterkunst bereits vor diesen ersten schriftlichen Zeugnissen ihrer Existenz eine sehr lange Tradition hatte.

Es gibt drei verschiedene Arten der frühen Poesie:

  • Nathr: Freie Form, Prosa
  • Sadsch': Sadsch hat keine Versform aber einen Endreim
  • Nazm - Gedicht: Nicht frei

Wer sich literarisch äußerte, wurde in vorislamischer Zeit einer dieser drei Kategorien zugeordnet:

  • Kahin: Der Kahin ist der Magier einer Stammesgruppe. Die Leute glauben, dass er mit den Vorfahren kommuniziert. Er galt als Seher und Wärter der sakralen Sachen. Seine Worte werden jedoch nicht als "Gedichte" bezeichnet und sind keine Literaturgattung im engeren Sinne.
  • Scha'ir: Der Scha'ir ist ein Dichter, der Gedichte (Nazm) mit Versmaß und Reim dichtet.
  • Madschnun: Ein Madschnun ist ein von Dschinn) Besessener, der im Trancezustand dichtet. Seine Texte haben meist keine Gedichtsform und werden nicht als Dichter bezeichnet. Ihre Texte gelten nicht als literarische Gattung.

Berühmte arabische Dichter hatten oft Leute, die ihnen beim Vortragen von Gedichten zuhörten und sich die Verse merkten. Das Auswendiglernen und Tradieren war also zur Zeit des Propheten (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm) nichts Neues, sondern hatte in der arabischen Gesellschaft eine lange Tradition.


Quellen

  • Abu Sikkin, Abdulhamid (2005): Fiqh Al-Lugha. American Open University.
  1. Mourad, Samir (2007): Islamische Geschichte - Eine analytische Einführung, Deutscher Informationsdienst über den Islam (DIdI) e.V., , Karlsruhe, DIdI-info.de, ISBN 978-3-9810908-8-8
  2. 2,0 2,1 2,2 Fuchs-Abdullah, Rachid: „Dars - Islamunterricht für Erwachsene: Sira und islamische Geschichte Kapitel 2 – Die Araber vor dem Islam“, Skript-URL: http://www.islamkiosk.ch/download/Die_Araber_vor_dem_Islam.pdf
  3. 3,0 3,1 Dieses Unterkapitels ist von einigen Änderungen abgesehen vollständig übernommen aus: Fuchs-Abdullah, Rachid: „Dars - Islamunterricht für Erwachsene: Sira und islamische Geschichte Kapitel 2 – Die Araber vor dem Islam“, Skript-URL: http://www.islamkiosk.ch/download/Die_Araber_vor_dem_Islam.pdf
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